Vorbemerkung: Dies ist eine Abänderung von @netnrds Entwurf. Die Abänderung dient sowohl dem Ausdruck meiner Meinung als auch dem Aufzeigen wie klein Unterschiede sein können. Auch wenn er sich wie Pionierregeln  liest, es soll keinesfalls ein Urteil sein, wer “guter” Pirat ist und  wer nicht. So stelle ich höchstpersönlich mir das vor, und ich kann  falschliegen. Über Feedback freue ich mich.
 
 
Freiheitlich-Demokratische Grundordnung
Wir bekennen uns zur Freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Diese interpretieren wir im Geiste des 21. Jahrhunderts.
Zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne der  Legaldefinition des § 4 des Bundesverfassungsschutzgesetzes (BVerfSchG)  zählen:
  •     das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und  Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der  vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszuüben und die  Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und  geheimer Wahl zu wählen,
  •     die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsmäßige Ordnung  und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung an  Gesetz und Recht,
  •     das Recht auf Bildung und Ausübung einer parlamentarischen Opposition,
  •     die Ablösbarkeit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit gegenüber der Volksvertretung,
  •     die Unabhängigkeit der Gerichte,
  •     der Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft und
  •     die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte
Von nicht zeitgemäßen Interpretationen aus dem vergangenen Jahrhundert wollen wir uns lösen. Wir distanzieren uns von der Verwendung als politischen Kampfbegriff in den 70er Jahren Volk und Staat.
Wir entnehmen der FDGO kein Bekenntnis zum Nationalstaat. Die  Existenz der Bundesrepublik Deutschland oder seine Struktur ist durch  die FDGO nicht unveränderbar vorgegeben. An seine Stelle kann ein  anderes Konstrukt treten – zum Beispiel ein vereintes Europa der Regionen, oder auch ein anderes – solange es der FDGO entspricht und die  darin niedergelegten Rechte und Pflichten verwirklicht.
Den Begriff des Volkes verstehen wir nicht als Rasse oder Abstammung, sondern modern als Bevölkerung, als Bewohner unseres Landes unabhängig  von Herkunft und Abstammung.
 
Demokratie
Wir bekennen uns zum Prinzip der Demokratie als Herrschaftsform. Wir  begrüßen mehr und direkte Demokratie in unserer modernen Gesellschaft.  Dazu können und sollen auch gerade digitale Medien und Plattformen  beitragen.
Daraus darf jedoch keine Diktatur der Mehrheit erwachsen. Unsere  Gesellschaft lebt gerade durch die Vielfalt und den Diskurs  unterschiedlicher Meinungen.
Menschlichkeit, Menschen-, Bürger- und Minderheitenrechte müssen auch bei demokratischen Prozessen gewahrt bleiben.
Individualität, Selbstverwirklichung und Selbstentfaltung von  Einzelnen oder Minderheiten sind hohe Prinzipien einer liberalen  Gesellschaft. Diese Prinzipien sind uneingeschränkt zu garantieren,  solange sie nicht zu objektiver Benachteiligung anderer oder Dritter  führen.
Mehrheitsmeinungen und -Entscheidungen dürfen niemals zur  Einschränkung dieser Prizipien führen. Auch moralische oder religiöse  Mehrheitsmeinungen gehören ausdrücklich dazu.
Demokratie umfasst das uneingeschränkte Recht, an allen sozialen,  gesellschaftlichen, kultuellen und politischen Prozessen ohne  Hindernisse als Individuum zu partizipieren.
 
Gewalt
Gewalt ist keine akzeptable Maßnahme eines zuvor gewaltfrei geführten  Diskurses. Diesen ersten Schritt zur Gewalt lehnen wir nachdrücklich  ab. Wir bekennen uns zum Prinzip, niemals einen ersten Schritt zu Gewalt  zu tun.
Gewaltlosigkeit ist jedoch kein Gut, das über der Menschlichkeit, den Menschen- und Bürgerrechten oder über der Freiheit steht.
Jedes Individuum und jede Gruppe von Menschen hat das Recht, sich mit  angemessenen Mitteln gegen Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung zu  wehren. Das schließt auch die Anwendung von Gewalt ein.
Jedes Individuum und jede Gruppe von Menschen hat das Recht und die  moralische Pflicht, sich auf Seiten von Unterdrückten, Verfolgten und  von Gewalt betroffenen Menschen mit angemessenen Mitteln einzumischen.  Dies schließt auch die Anwendung von Gewalt ein.
Gewalt als Akt des Widerstandes gegen Unterdrückung, Verfolgung oder  Gewalt können wir nicht verurteilen. Wir solidarisieren uns ausdrücklich mit Menschen, die im Kampf gegen Faschismus, Verfolgung und  Unterdrückung stehen.
Gewalt gegen Sachen hat dabei einen ganz anderen, wesentlich niedrigeren Stellenwert als Gewalt gegen Menschen. Die Vermischung von  Bewertungen dieser Formen von Gewalt lehnen wir ab.
Die Demonstrationsfreiheit hat einen hohen Wert und große Bedeutung  in unserer Gesellschaft. Wir lehnen die zunehmende Tendenz ab,  Widerstand als passive Gewalt zu diskreditieren.
Diese Positionierung zu Gewalt erachten wir als vereinbar mit der FDGO.
 
Menschlicher Umgang
Im politischen und gesellschaftlichen Diskurs ist nicht akzeptabel,  Menschen zu bedrohen, zu beleidigen, zu diffamieren oder persönlich  anzugreifen.
Die moderne Gesellschaft kennt kein Schwarz und Weiß. Es existieren  Schattierungen und Nuancen aller Art. Die Aufteilung in Gut und Böse,  Dafür oder Dagegen führt meist fehl.
Elektronische Kommunikation ist oft verkürzt und transportiert nur  Teile von Botschaften. Wir wollen nachfragen, bevor wir eine negative  Interpretation annehmen. Wir wollen Gelegenheiten zu Entschuldigungen und Einkehr geben. Wir wollen keine absolutistischen Urteile aufgrund  von Einzelbotschaften stellen.
Die Entschuldigung eines Menschen der durch eine Fehleinschätzung oder Informationsdefizite anderen Unrecht zugefügt hat sollte von uns angenommen werden. Eine positive Kritikkultur sowie die Bereitschaft zu verzeihen ist für uns ein wichtiger Schritt in eine offenere Gesellschaft.
Eliten dürfen andere aufgrund ihrer geringeren Möglichkeiten nicht  diskreditieren. Wir bekennen uns zu unserer Aufgabe, Teilhabe und  politische Bildung zu fördern.
 
Meinungsfreiheit
Es ist unsere Pflicht, Menschen, die aufgrund ihrer Meinungen  bedroht, beleidigt, diffamiert oder angegriffen werden zu schützen und  in unserer Mitte aufzunehmen, auch wenn diese Meinungen nicht unsere sind.
Meinungsfreiheit hat jedoch da ihre Grenzen, wenn durch die Äußerung  andere Menschen bedroht, verletzt, ausgegrenzt oder beleidigt werden. Hier haben wir die Pflicht, solche Menschen zum Schutze der Betroffenen aus unseren Reihen auszuschließen. Ein Diskurs mit menschenverachtenden  Meinungen darf nicht stattfinden. 
Aus der Meinungsfreiheit erwächst nicht die Pflicht, sich mit jeder  Meinung auseinandersetzen zu müssen. Zur Meinungsfreiheit gehört auch  das Recht, gewisse Meinungen nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen.
Innerhalb der Partei haben wir das Recht, aus den Meinungen, denen  wir eine Plattform bieten wollen, auszuwählen. Hierin besteht keine  Einschränkung von genereller Meinungsfreiheit.
 
Revisionismus
Von Deutschland ging ein verheerender Krieg aus. Dabei war die  Vernichtung der Zivilbevölkerung von Anfang an ein Ziel des Krieges. Es gibt keine “gute” Wehrmacht neben einer “bösen”.
[Absatz gestrichen]
Den Alliierten gebührt unser Dank, Deutschland vom [“selbstgewählten”]  Nationalsozialismus befreit zu haben. Der Krieg, den Deutschland in die  Welt getragen hat, schlug auf Deutschland und die Deutschen zurück.
Akte der Alliierten, die diese im Willen ausgeübt haben, den Krieg zu  verkürzen oder Unschuldige zu schützen, sind [Rest des Satzes gestrichen] trotz ihrer möglichen Unvereinbarkeit mit dem Völkerrecht ein Akt der Befreiung vom Nationalsozialismus und damit nicht mit deutschen Kriegsverbrechen zu vergleichen. [Satz gestrichen]. Die Diffamierung solcher Aktionen der Alliierten als  Massenmord ist falsch.
Freude über getötete deutsche Zivilbevölkerung steht uns nicht zu.  Wir können  nachvollziehen, das in Folge von Geschichtsklitterung und Naziaufmärschen Provokationen dieser Art erfolgen, auch wenn wir diese weder unterstützen noch gutheißen.
 
Antisemitismus und Antizionismus
Wir lehnen Antisemitismus kategorisch ab. Dabei verstehen wir den  Antisemitismus nicht nur als offenen, rassistischen Judenhass, wie er   insbesondere von rechtsradikalen Gruppierungen verbreitet wird. Vielmehr   hat antisemitisches Gedankengut zahlreiche Ausprägungen, die sich  durch  Verschleierung und unter dem Deckmantel legitimer  Meinungsfreiheit  gesellschaftsfähig zu machen versuchen. 
So bedienen sich Vorstellungen, nicht näher benannte Gruppen von  “Strippenziehern”, würden nach  weltweiter Kontrolle über Wirtschaft und  Politik streben oder wären für  die aktuelle Finanz- und  Wirtschaftskrise verantwortlich, oftmals  antisemitischer Klischees und  Stereotypen und sind kritisch zu betrachten. 
Ebenso sind einseitige, pauschal israelfeindliche und gegen das  Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels gerichtete Positionen zum Nahostkonflikt als antisemitisch anzusehen, sofern sie die Verfolgung und Diskriminierung von Juden verharmlosen, relativieren oder   rechtfertigen, oder sich Stereotypen des dritten Reiches bedienen.
Wir stellen uns entschieden gegen jede Form von  Antisemitismus –  auch im modernen Deckmantel – und schließen jegliche Zusammenarbeit und  Unterstützung  von antisemitischen und antizionistischen Gruppierungen  aus. 
 
Feminismus und Gleichberechtigung
Wir  stellen fest, dass Frauen immernoch benachteiligt sind und  struktureller Gewalt unterliegen. [Satz gestrichen] Die Diskussion über Quoten ist Teil des politischen Diskurses.
Geschlechtergerechtigkeit hat bei uns eine elementare und zentrale Rolle, uns ist keinesfalls ein Randthema. [Satz gestrichen]
Feminismus als aktiver Kampf gegen die Benachteiligung von Frauen  begrüßen wir. Er hat sich aber in den sonstigen Wertekanon einzuordnen, er darf nicht selbst zu Diskriminierung oder Beleidigung führen.
Geschlechtergerechte  Sprache begrüßen wir. Es darf daraus aber keine  Pflicht für Einzelne  abgeleitet werden, ihre eigene Sprache zu  gendern, noch ist  nicht-gendergerechte Sprache ein Grund, jemanden zu  diskreditieren oder zu beleidigen.
Unserer  Überzeugung nach gibt es weit mehr als zwei Geschlechter.  Die Zuordnung  zu einem, mehreren oder keinen Geschlechtern obliegt  alleine den  Betroffenen. Ein Urteil steht anderen nicht zu.
 
Flügel
Innerhalb der Piratenpartei gibt es unterschiedliche Meinungsfelder.  Dies begrüßen wir als Teil der Demokratie und der Vielfalt ausdrücklich. Es gibt keine Meinungen, die per se richtig oder falsch sind solange sie den oben genannten Elementen der FDGO entsprechen.
Wir tolierieren und akzeptieren diese unterschiedlichen  Meinungsfelder. Sie haben Platz innerhalb unserer Partei. Ausgrenzung  aufgrund der Zugehörigkeit zu einem Meinungsfeld verurteilen wir.
Wir sind der festen Überzeugung, dass uns alle mehr eint als
trennt: Der Kampf für Freiheit, Menschen- und Bürgerrechte, das Recht auf Teilhabe aller, Gerechtigkeit und Humanismus.
 
 
 
Meine Änderungen sind mit eckigen Klammern oder kursiver Schrift geschrieben.
Ich danke @netnrd für die Arbeit und dieses Ergebnis.
 
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