Heute schreibe ich mal ein paar Zeilen zum Thema “Antiamerikanismus”.

Hintergrund ist unter anderem dieser Artikel: http://www.cicero.de/weltbuehne/antiamerikanismus-die-usa-muss-unsere-schutzmacht-bleiben/57507?fb_action_ids=10202224612279551&fb_action_types=og.likes

Die hier geäußerten Thesen darf jeder für sich auslegen wie er möchte.

Die Auswirkungen amerikanischen Handelns auf die Welt

Amerika ist sowohl wirtschaftlich als auch geopolitisch (und nicht zuletzt militärisch) eine der mächtigsten Nationen der Welt. Je nachdem wie eine solche Supermacht sich gegenüber anderen Supermächten und kleineren Staaten verhält ist das natürlich zunächst nichts verwerfliches.

  • Die USA achten staatliche Souveränität nicht

Die USA greift im “Krieg gegen den Terror” militärisch in Ländern ein. Inwiefern man dies als Schutz der Welt vor Terror sehen möchte oder als Agressionskrieg der dazu dient in den entsprechenden Ländern Regierungen zu installieren die Amerika weniger Probleme bereiten als zum Beispiel religiöse Führer die der westlichen Kultur gegenüber feindlich gesinnt sind, sei dahingestellt.

  • Die Ausprägung die der Kapitalismus in Amerika annimmt sind potentiell wirtschaftsschädlich, auch über die Grenzen hinaus.

Der Eurokrise ging eine Wirtschaftskrise in der gesamten westlichen Welt zuvor. Ausgelöst wurde diese durch amerikanische Banken die an Privatleute Risikokredite mit unzureichenden Sicherheiten gegeben hat. Das Geflecht in dem Banken miteinander durch Kredite und andere Wertpapiere verbunden sind hat damit auch deutsche Banken (BayernLB HypoGruppe etc…) schwer geschädigt. Dabei waren die Kredite zum Teil als sichere Anlagen gekennzeichnet obwohl dem nicht so war.

  • Die USA überwachen die Welt

Das aktuell prominenteste Beispiel zur Kritik an unseren transatlantischen Freunden ist die anlasslose Massenüberwachung, die quasi das komplette Internet betrifft. Zusätzlich ist bekannt geworden das auch das Handy von Angela Merkel überwacht wurde (und vermutlich wird). Die Überwachung von allem und jedem durch mannigfaltige Maßnahmen passt sehr gut zum Image der “Weltpolizei” und illustriert in welcher Rolle Amerika sich selbst sieht.

 

Soweit so negativ. Es lässt sich aber feststellen das auch durchaus positive Effekte von der Supermacht Amerika erzielt werden

  • Stabiles Europa

Man kann mit Sicherheit konstatieren das ohne die übermächtige NATO der Zusammenbruch der Sowjetunion nicht in dieser Form stattgefunden hätte. Nicht vergessen sollte man dabei das auch die entsprechenden Länder selbst einen Anteil daran hatten. Zumindest aber sowjetische Bestrebungen zur Expansion konnten durch die Besetzung Deutschlands bzw. durch die NATO verhindert werden. Die Schlagkraft eines Bündnisses ohne Amerika hätte dazu wohl nicht ausgereicht. Dieses Argument gilt heute in abgewandelter Form, obwohl je nach Standpunkt auch Putin solche Bestrebungen weniger zu unterstellen sind als der Sowjetunion.

  • Wirtschaftswachstum, Innovation und technischer Fortschritt

Die in Amerika recht lockeren Gesetze über Forschung und Unternehmensführung führen zu einem vermehrten Aufkommen von kleinen Start-Ups. Zu diesen könnte man auch den in seiner Garage bastelnden Bill Gates zählen. Die allermeisten Neuerungen im Sektor der Elektrotechnik und Informationstechnik sind in Amerika entstanden. Ob ähnliche Entwicklungen in Ländern mit weniger Freiheiten für junge Unternehmer und kleineren Absatzmärkten möglich gewesen wären (bzw. WANN) lässt sich nur sehr spekulativ beantworten.

 

Ausserdem bin ich zurzeit leicht in eine Amerikanerin verschossen. Ich finde das zählt.

 

Wieviel Kritik darfs denn sein

Bevor ich zu dem Begriff des Antiamerikanismus selbst komme sollten ein paar Dinge klar gestellt werden. Wie an diesen Punkten exemplarisch dargestellt ist der “Nutzen” den Amerika Deutschland und der Welt gebracht hat recht beeindruckend. Ob wir ohne Amerika “alle ungebildete Bauern waeren und weder Wohlstand noch Freiheit noch Sicherheit hätten” oder ob wir von einer anderen Supermacht okkupiert oder kontrolliert wären lässt sich abschließend nicht beantworten. SIcher wäre aber das ohne diese positiven Einflüsse unser Europa bedeutend anders aussähe.

Sind diese Verdienste genug um zu rechtfertigen was eingangs beschrieben wurde? Für mich leider nicht.

Die Frage wieivel Kritik sein darf lässt sich für mich sehr einfach beantworten. Letztendlich darf jeder kritisieren was er für kritisierenswert hält. Am eigenen Land, an jedem anderen Land, an seinem Auto, seiner Freundin oder seinem Speckbauch. Es darf auch jeder versuchen an den Kritikpunkten etwas zu ändern. Einige der Punkte die ich kritisiert habe finden sich oben. Was könnte ich jetzt ändern? Ich könnte zum Beispiel darauf vertrauen das die Regierung, die meine Grundrechte zu schützen hat dies auch tut wenn sie es gegenüber einem “übermächtigen” Freund tun muss. Dem ist leider nicht so.

 

Man kann sich seine Freunde nicht aussuchen

Die Gründe warum seitens der deutschen Regierung scheinbar nicht einmal versucht wird diese Missstände aufzuklären ist die teure Freundschaft mit den USA, die nicht zuletzt aus strategischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten erhalten bleiben muss. Und hier sind wir schon am Kern des Problems. Ein Land wie Amerika ist, wenn andere Staaten dabei noch lieb mitspielen “too big to fail”. Kein westlicher Staat kann es sich leisten auf Wirtschaftsprodukte aus Amerika zu verzichten bzw. eigene Exporte nichtmehr in Amerika verkaufen zu können. Mit dem bösen Russen an der Tür ist es sowieso undenkbar den großen Bruder Amerika zu brüskieren.

Das Problem ist das solche Mechanismen die Souveränität eines Staates angreifen, spätestens dann wenn die zuständige Regierung ihre Aufgaben und Ziele unter Restriktionen, Bitten oder Andeutungen des “Freundes” unterordnet. Dies geschieht derzeit in der Frage Snowden/NSA.

 

Der böse Antiamerikanismus

Wer Punkte wie die oben genannten anspricht bekommt von liberalen oder konservativen Politikern regelmäßig den Vorwurf des Antiamerikanismus vorgeworfen. Zunächst mal zu diesem Wort:

Vergleichen kann man es vielleicht mit Antifaschismus, Antisemitismus etc. Diese Begriffe bedingen eine unbedingte Ablehnung mit einer bestimmten Gruppe und allem was mit ihrer zu tun hat. Zudem sind beide Begriffe für den Großteil der Bevölkerung negativ belegt. Genau wie Kritik an Überwachungswahn und anderen amerikanischen Mißständen gibt es Kritik an Israels Politik. Genau wie bei Kritik an den Verhältnissen zB im Gaza Streifen wird immer öfter die “AntiX” Keule geschwungen.

Ich wehre mich dagegen als Antiamerikanist bezeichnet zu werden, eben darum weil ich großen Teilen der amerikanischen Kultur viel abgewinnen kann, eben weil ich auch positive globale Effekte der US-amerikanischen Politik beobachten kann. All das macht mich aber nicht blind für gravierende Missstände die durch Überwachung, Angriffskriege etc. verursacht werden.

Die Prägung des relativ neuen Begriffs des Antiamerikanismus führt aber dazu diese Kritik zu unterdrücken und führt letzten Endes zur Verschiebung einer Diskussion die dringend geführt werden muss wenn wir als Europäer eine Souveränität gegenüber dem Bündnispartner bewahren und der Überwachung ein Ende setzen wollen.

 

Isch habe fertisch, wie immer darf gern geteilt und kommentiert werden.

 

 

 

 

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